Geschichtliches

Die Geschichte des Dresdner Feuerwehrverbandes

Am 26. November 1876 berief der Feuerlöschinspektor Friedrich Scholle vom Königlichen Hoftheater Dresden eine Anzahl Feuerwehrführer der Amtshauptmannschaften Dresden Alt- und Neustadt sowie 18 Kameraden aus der Dresdner Umgebung nach dem Restaurant Waldschlößchen in die Innenstadt von Dresden ein, um eine Feuerwehrvereinigung in der Form eines Verbandes zu bilden.
Diese kamen aus den bereits bestehenden Feuerwehren von Plauen, der Guss-Stahlfabrik Döhlen, Mügeln bei Heidenau, Blasewitz, Loschwitz, Strehlen, Hainsberg, Rabenau, Löbtau, Striesen, Possendorf, Kreischa, Laubegast, Kötzschenbroda, Tharandt. Ebenfalls dabei waren drei Kameraden, welche die bestehenden Dresdner Feuerwehren vertraten (Berufsfeuerwehr, Turnerfeuerwehr und die Feuerwehr des Königlichen Hoftheaters).
Die kommunale Einteilung bestand zu dieser Zeit in Dresden und Umgebung aus den Amtshauptmannschaften Dresden-Altstadt mit zwei Berufs-, sechs freiwilligen und zwei Werkfeuerwehren, sowie Dresden-Neustadt mit fünf freiwilligen Feuerwehren.
Die Kameraden, die der Einladung gefolgt waren, vertraten 17 Feuerwehren mit 788 Kameraden. Die neu gegründete Vereinigung nannte sich „Feuerwehrverband für Dresden und Umgegend“.

Die folgende Wahl des Ausschusses ergab für die Kameraden:
Noack, Tharandt (17 Stimmen)
Scholle, Dresden (14 Stimmen)
Ritz, Dresden (13 Stimmen)
Schmidt, Hainsberg (12 Stimmen)
Händler, Plauen bei Dresden (11 Stimmen)

 

In der am 11. Dezember 1876 in Renner’s Restaurant in Dresden durchgeführten ersten Ausschusssitzung wählte man den Kameraden Schmidt (Hainsberg) zum Vorsitzenden und den Kameraden Gustav Ritz (Dresden) zum Stellvertreter. Dazu wurden zu den jährlich stattfindenden Verbandstagen jeweils Hauptleute der Mitgliedsfeuerwehren als Ausschussmitglieder gewählt.
Gleichzeitig verabschiedete man das aus 12 Paragraphen bestehende Grundgesetz, welches mit geringfügiger Änderung bis 1912 Bestand hatte.
Vorstand und Ausschuss sahen in der Folge ihre Aufgabe darin, die Feuerwehren in der Ausbildung nach zu erarbeitenden Richtlinien, sowie Neubildungen von Wehren zu unterstützen. Dazu wurden jährlich Verbandstage und Hauptmannsversammlungen zur Erledigung der Geschäftstätigkeit, Beratung von Anträgen und Vorführung von Übungen sowie der Wahl neuer Mitglieder in den Ausschuss abgehalten.
Die dem Verband angehörenden Wehren wurden in festgelegten Abständen vom Ausschuss in Anwesenheit von Gemeindevorstehern und Ratsmitgliedern durch Inspektionen überprüft. Dabei wurden alle Bereiche wie Zustand der Geräte und Schläuche, Löschwasserverhältnisse, Disziplin und Verhältnis zur Gemeindevertretung, sowie eine vorzuführende Übung bewertet. Die erste Inspektion nahm der Verband am 29. April 1877 bei der Freiwilligen Feuerwehr Laubegast vor, wobei man
feststellte, dass diese noch nicht einmal ein Spritze besaß.

Ein Höhepunkt dieser Jahre war der vom 17. bis 19. Juli 1880 nach Dresden einberufene 11. Deutsche Feuerwehrtag, an dem 8.000 Feuerwehrleute aus Deutschland und Österreich-Ungarn teilnahmen und sich vom hervorragenden Ausbildungsstand der sächsischen Feuerwehrleute überzeugen konnten. Dabei wurde in Anwesenheit von hohen Persönlichkeiten der Königlich-Technischen Hochschule eine erstmalige Prüfung von Dampf- und Handkraftspritzen vorgenommen.

Im Jahr 1884 wurde zum 8. Verbandstag in Rabenau der Verbandsname in „Bezirksfeuerwehrverband für Dresden und Umgegend“ geändert.
Die Hochwasserkatastrophe der Weißeritz und Elbe im Jahre 1897 stellte die Feuerwehren des Verbandes vor eine erste große Bewährung. Im Abschlussbericht ist die Rettung von 469 Personen aus Gefahr, aber auch der Tod zweier im Einsatz verunglückter Kameraden vermerkt.
Den Vorsitz im Verband führte in diesen Jahren ab 1877 Branddirektor Ritz und von 1887 bis 1894 Branddirektor Oeser, Cölln (Meißen). Nachdem 1887 von Gustav Ritz und seinem stellvertretenden Brandmeister Th. Herrmann eine statistische Übersicht der bestehenden Feuerwehren in den Amtshauptmannschaften von Sachsen erarbeitet worden war, erschien eine von Th. Herrmann im Jahr 1901 herausgegebene Statistik für den Bezirksverband Dresden und Umgegend, die für Historiker
heute noch die Grundlage für die Feststellung der Gründungsdaten der freiwilligen Feuerwehren ist.
Anlässlich des 23. Verbandstages 1899 in Cotta (FF seit 1894) wurde ein durch Th. Herrmann geringfügig verändertes Statut beschlossen, welches das erste nach 23 Jahren ergänzte.

Zur Feier des 25-jährigen Bestehens des Verbandes im Jahr 1901 arbeiteten 54 Wehren, davon 36 freiwillige, zwölf Fabrik-, vier Pflicht- und zwei Berufsfeuerwehren unter dem Dach des Verbandes.

Der Gesamtmannschaftsbestand zählte zu dieser Zeit 2402 aktive Kameraden, die über 99 Handdruck- und zwei Dampfspritzen verfügten, welche mit 4870m meist rohem Hanfschlauch aus 4872 Hydranten gespeist werden konnten.

Den Vorsitz des Verbandes führten:
1876 – 1877 Hptm. Schmidt, Hainsberg
1877 – 1887 Brd.- Dir. Ritz, Dresden
1887 – 1895 Brd.- Dir. Oeser, Cölln (Meißen)
1895 – 1897 Brd.- Dir. Naumann, Tharandt
1897 – 1901 Brd.- Dir. Oeser, Meißen
1900 – 1904 Brd.- Dir. Thomas als Ehrenvorsitzender, Dresden
1904 – 1921 Brd.- Insp. Th. Herrmann, Dresden

Ab etwa 1905 wurden die bis dahin handschriftlichen und hektographierten Übungsvorschriften, sowie der gesamte Schriftverkehr schrittweise auf Maschinenschrift und Drucksachen umgestellt.
Mit dem zur 69. Hauptmannsversammlung am 15. Dezember 1912 beschlossenen neuen Grundgesetz, welches zum 37. Verbandstag 1913 in Tharandt in Kraft trat, wurde erstmalig der Name „Bezirks-Feuerwehr-Verband Dresden“ gebraucht. Dieses auf 14 Paragraphen erweiterte Grundgesetz hatte bis zur Auflösung der Verbände durch die Nationalsozialisten Bestand.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges fand der vorerst letzte Verbandstag 1913 in Tharandt statt. Im Verlauf des Krieges wirkten sich die Einberufungen zum kaiserlichen Heer drastisch auf den Mannschaftsbestand der Feuerwehren aus, denn viele aktive Kameraden kehrten von den Schlachtfeldern nicht mehr zurück. Die Gemeindebehörden sahen sich daher gezwungen, mit Notverpflichtungen und Erhöhung der Altersgrenzen auf 60 Jahre den Brandschutz in den Gemeinden zu gewährleisten.

Die politischen Umbrüche nach dem verlorenen Weltkrieg ließen eine Verbandsarbeit nur beschränkt zu, so dass erst 1922 der 38. Verbandstag in Radebeul unter dem Vorsitz von Branddirektor August Ortloph, der zu dieser Zeit zum Leiter Dresdner Berufsfeuerwehr ernannt wurde, stattfinden konnte.
Die Verbandsgeschäfte wurden in jener Zeit in jährlichen Hauptmannsversammlungen unter Vorsitz von Brandinspektor Herrmann vollzogen.

Infolge der Berufung von Branddirektor Ortloph zum Landesführer der sächsischen Feuerwehren übernahm zum 42. Verbandstag 1926 in Radeburg der Kamerad Branddirektor Bruno Thum von der Freiwilligen Feuerwehr Radeberg den Vorsitz des Verbandes.

Im Jahr 1928 fand der 44. Verbandstag in Pillnitz aus Anlass des 50. Jubiläums der dortigen freiwilligen Feuerwehr statt. Der 46. Verbandstag 1930 wurde nach Radeberg einberufen, nachdem der dortige Branddirektor Hordler den Vorsitz des Verbandes übernommen hatte.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 erfolgte der systematische Abbau der demokratischen Prinzipien sowie die Überleitung der vorhandenen Strukturen zum Führerprinzip.
Damit konnten Führungskräfte in den Freiwilligen Feuerwehren nicht mehr frei gewählt werden, sondern wurden von Bürgermeistern und Gemeinderäten eingesetzt. Nach einer Weisung des Landesverbandes der sächsischen Feuerwehren waren außerdem alle Feuerwehrmänner, die der kommunistischen Partei angehörten oder ihr nahe standen, sofort aus dem Dienst zu entlassen.

Die Dienstgestaltung wurde zunehmend auf militärischen Drill, Orientierung auf den Luftschutz und Sanitätsausbildung ausgerichtet. Markige Worte wie auf dem 49. Verbandstag 1933 in Dresden von Kreisfeuerwehrführer Hordler: „Die Ideale, die sowohl die NSDAP, wie auch das Freiwillige Feuerwehrwesen beseelen, sind:
Wehrgedanke, Führergedanke, Disziplin, sich einsetzen für die Allgemeinheit und Gemeinschaftssinn.

Dieser heldenhafte Geist wird die Wehren bewahren vor den Gefahren einer öden Vereinsmeierei, die in unserer Zeit keinen Platz hat.“ bestimmten in dieser Zeit auch den Geist in den freiwilligen Feuerwehren. Die Feuerwehren in den Gemeinden wurden der Ortspolizeibehörde unterstellt und vom „Kreisfeuerwehrführer“ angeleitet.
1937 wird in Radebeul der 53. und 1938 in Pillnitz zum 60. Jubiläum der dortigen freiwilligen Feuerwehr der nunmehr als 54. Kreisfeuerwehrtag bezeichnete letzte Verbandstag vor dem zweiten Weltkrieg abgehalten.

Mit der dritten und vierten Durchführungsverordnung zum „Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 24. Oktober 1939“ wurden die Landes- und Kreisverbände der Feuerwehren aufgelöst. Der inzwischen eingeführte Begriff „Feuerlöschpolizei“ wurde in „Freiwillige Feuerwehr + [der Ortsname]“ geändert; die Berufsfeuerwehren wurden in „Feuerschutzpolizei“ umbenannt und militärisch geführt.
Der Verband der Feuerwehren von und um Dresden hatte bis dahin 63 Jahre Bestand.
Nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 wurden die im nationalsozialistischen Deutschland aufgebauten Feuerwehrorganisationen durch die sowjetische Besatzungsmacht zerschlagen und nach neuen politischen Vorgaben strukturiert. In der neuen Organisation der Feuerwehren der Sowjetischen Besatzungszone und der nachfolgend gegründeten DDR wurden keine Feuerwehrverbände zugelassen, sodass eine Neugründung erst nach der politischen Wende ab 1990 erfolgen konnte.
Am 19. Januar 1991 beschlossen die damals existierenden 17 Dresdner Freiwilligen Feuerwehren, die Berufsfeuerwehr Dresden und drei Dresdner Betriebsfeuerwehren die Wiedergründung eines Kreisfeuerwehrverbandes in unserer Stadt und traten diesem gleichzeitig als Mitglieder bei. Der heutige Stadtfeuerwehrverband Dresden e. V. nahm im wiedervereinigten Deutschland seine Arbeit auf, die er bis heute erfolgreich fortsetzt.

Text und Recherche: Auf der Grundlage einer Ausarbeitung von Kameraden Helmut Heinz, STF Pillnitz sowie Kameraden Carsten Löwe, SFV Dresden e.V.

 

Festgottesdienst und Festveranstaltung anlässlich 150 Jahre Stadtfeuerwehrverband Dresden e.V.

Wann:
Samstag, 07.11.2026

12:00 – 13:00 Uhr: Festgottesdienst in der Frauenkirche (Neumarkt Dresden) – öffentlich
ab 14.00 Uhr: Einlass der Gäste in die Veranstaltungsräume – Landhaus (Stadtmuseum) – nur auf Einladung
15:00 Uhr: Beginn der Festveranstaltung